Radchallenge Fahrradzählstellen

Radchallenge Fahrradzählstellen - Eine Fahrradtour mit 17 Stationen

Es gibt Menschen, die fahren einfach los und schauen, wo sie ankommen. Das ist mir nicht gegeben. Ich bin eine Zielfahrerin. Wissen wohin – losfahren – ankommen. Dabei liebe ich immer wieder neue Ziele. Zum siebzehnten Mal zum Kronprinzessinnenweg, auf ihm hin und her und dann wieder zurück zu radeln, ist nicht mein Ding.

Vor kurzem entdeckte ich die Fahrradchallenges von Regines Radsalon . Aufmerksam wurde ich – Regine Wosnitza – auf ex-Fahrradrennfahrin Regine Heidorn natürlich erstmal über den Namen. Inzwischen bin ich mitten in der zweiten Challenge und überzeugt: Für alle nicht-GroundhogDay-Fahrer*innen sind sie eine super Sache, um durch Berlin zu radeln. 

Ende Dezember absolvierte ich die 17 Fahrradzählstellen – Challenge. Nach meiner Planung mit Hilfe der Karte, die alle Zählstellen und ihre Daten auflistet, umfasste die Tour insgesamt 120 Kilometer, die ich mir aus Bequemlichkeit in drei Tage aufteilte. Laut den Bedingungen für eine öffentliche Teilnahme machte ich an jeder Station ein Foto mit mir bzw wahlweise mit meinem Fahrrad und postete diese mit zugeordneten Hashtags.

#Berlin #Challenge #Bicycle #Zählstellenchallenge #B17ZSC #2020 #SchwedterSteg

Als erstes fuhr ich natürlich die Zählstellen in Tempelhof-Schöneberg ab, von denen zwei übrigens zu den meist frequentiertesten zählen. 

Yorckstraße - Platz 4 mit einem täglichen Durchschnitt von 2614 Radfahrenden
Monumentenstraße - Platz 7 mit einem täglichen Durchschnitt von 1963 Radfahrenden
Mariendorfer Damm - Platz 10 mit einem täglichen Durchschnitt von 818 Radfahrenden (eigentlich direkt an der Kreuzung)

Darüberhinaus interessierte mich auch die Philosophie der Fahrradzählstellen und auf der Webseite des Senates für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz stieß ich auf eine Informationsfundgrube über die Entwicklung des Fahrradverkehrs in Berlin. Die erste Dokumentation dort stammt aus dem Jahr 2010 und umfasst 24 Seiten. Die letzte ist von August 2020, bezieht sich auf 2019 und umfasst 78 Seiten.

In der Dokumentation aus dem Jahr 2010 heißt es  Seit 1983 werden in Berlin (nur westl. Bezirke) monatliche Fahrradzählungen an festen Zählpunkten (Pegelpunkte) durchgeführt, um daraus Erkenntnisse über aktuelle Entwicklungen im Fahrradverkehr zu gewinnen, sowie den Einfluss der Wetterabhängigkeit auf den Fahrradverkehr zu bestimmen. Die Zählungen wurden in den 90er-Jahren unterbrochen und im Juli 2000 mit 4 zusätzlichen Zählstellen in den östlichen Bezirken – wieder aufgenommen.

Aus den wetterausgeglichenen Daten konnten folgende Entwicklungen ermittelt werden: Die Abb. 1 (siehe S. 3) zeigt auf Basis des Jahres 2001 (=100%) die Entwicklung zwischen 1951 und 2010. Die Fahrradstärken lagen zu Beginn der 50er-Jahre etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2001 und verringerten sich dann kontinuierlich bis Anfang der 70er-Jahre auf nur noch ca. 17% der 2001er-Fahrradstärken. Bis zum Jahr 1990 stieg dann der Radverkehr (Erhebungen nur im Westteil der Stadt) wieder kontinuierlich bis auf ca. 80% der 2001er-Stärke an.

Inzwischen gibt es weitaus mehr Zählstellen. Hier die Daten mit den höchsten und den niedrigsten Frequenzen
Jannowitzbrücke – Position 1 mit einem täglichen Durchschnitt von 3.558 Fahrrädern
Alberichstrasse – Position 17 mit einem täglichen Durchschnitt von 214 Fahrrädern

Die Alberichstraße befindet sich in Biesdorf und ist ein Juwel. Sie verläuft zwischen Kleingärten und Einfamilienhäusern parallel zur viel befahreren Köpenicker Straße. 2000 war sie die erste Fahrradstraße in Berlin und damit auch die erste Straße, die das Verkehrszeichen bekam.

Damals titelte der Tagesspiegel: 
Wo nebeneinander gestrampelt wird zieht das Auto den Kürzeren und schrieb
Die Autofahrer Berlins müssen sich ab sofort an ein neues Verkehrszeichen gewöhnen: Es ist quadratisch und zeigt auf einem weißen Untergrund ein blaues Radwegschild sowie die Aufschrift “Fahrradstraße”. An der Biesdorfer Alberichstraße, die parallel zur Köpenicker Straße verläuft, wurde jetzt dieses Zeichen montiert und die erste Fahrradstraße der Hauptstadt eröffnet.

In anderen deutschen Städten gehören Radfahrerstraßen schon längst zum Alltag. So gibt es beispielsweise in Bremen mehr als 20 ausgewiesene Routen. Und es sollen noch mehr hinzukommen. Allerdings liegt dort auch der Anteil des Fahrrads am Verkehr bei 22 Prozent, während es in der Hauptstadt gerade mal um die sechs Prozent sind.

Weiter Fahrradstellen befinden sich an diesen Orten

  • Berliner Straße
  • Maybachufer
  • Invalidenstraße
  • Frankfurter Allee
  • Schwedter Steg
  • Breitenbachplatz
  • Prinzregentenstraße
  • Markstraße
  • Klosterstraße
  • Kaisersteg
  • Paul- und Paula-Uferweg

Aktuell dokumentieren sie alle den Anstieg von Radfahrenden während der Corona-Epedimie. Im Juni ergaben sich laut den Fahrradzählstellen zum Beispiel eine 26,5 prozentige Steigerung. Im Juli 2020 fasste rbb24 die wahrscheinlich durch Corona-bedingen Steigerungen so zusammen   Die vorliegenden Zahlen aus Berlin sprechen für die Ergebnisse des oben erwähnten Reports. So hat die Auswertung der 16 aktiven Fahrradzählstellen in Berlin ergeben, dass im Juni 2020 dort 26,5 Prozent mehr Fahrräder gezählt wurden, als ein Jahr zuvor: von insgesamt 1.847.245 Fahrrädern im Juni 2019 stieg die Zahl ein Jahr später auf 2.251.967, also fast 490.000 mehr.

Beispiel Yorckstrasse - Von 1. Januar 2020 bis 26. Januar 2021 - insgesamt 2.113.896 Fahrräder

Zu den Fahrradzählstellen gesellen sich seit 2000 insgesamt acht Pegelpunkte. An ihnen erfolgen an einem bestimmten Tag im Jahr von 7 bis 19 Uhr Erhebungen, aus denen sich über einen Hochrechnungsfaktor die übrigen zu erwartenden Tageswerte berechnen lassen. 

Eine Neuigkeit sollen nun die Fahrradbarometer werden, die die Zahlen auch visualisieren. Geplant sind sie an folgenden Stellen:

  • Straße des 17. Juni; Höhe Eingang TU Berlin Hauptgebäude
  • Oberbaumbrücke
  • Jannowitzbrücke
  • Karl-Marx-Allee auf Höhe von Hausnummer 1
  • Strausberger Platz
  • Topsstraße, Ecke Schönhauser Allee
  • Senefelder Platz, Ecke Kollwitzstraße
  • Nonnendammallee, auf Höhe von Hausnummer 44
  • Nordufer, auf Höhe von Hausnummer 10

Im Übrigen sind die Fahrradzählstellen unsichtbar und unspektakulär, jedoch mit Geodaten exakt zu finden.

Da bieten die 12 Bezirke / 96 Ortsteile mit u.a. 50 Dorfkirchen bessere Fotovorlagen. Doch das ist eine andere Challenge.

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